Die Proskriptionen nach der Ermordung Julius Cäsars

Proskription (proscriptio) meint einen öffentlichen Aushang, eine Bekanntmachung. Im politischen Zusammenhang wurde das Wort im Sinne von Achterklärung gebraucht. Wessen Name in den Proskriptionslisten bekannt gemacht wurde, der hatte Leben und Besitz verwirkt und war vogelfrei. Jeder konnte ihn töten und dafür auch noch eine Belohnung erwarten. Die Massnahme erfolgte ohne Gerichtsverfahren unter Wahrnehmung einer Art von Notstandsrecht. Als erster machte der Dictator Sulla ab 82 v. Chr. in grossem Stil davon Gebrauch, um seine politischen Gegner zu eliminieren und ihr Vermögen einzuziehen. 5000 Menschen, vornehmlich aus dem Ritteradel, kamen ums Leben.

 

Als sich Antonius, Octavian und Lepidus 43 v. Chr. zum Triumvirat zusammenschlossen, gingen sie sogleich zu Proskriptionen über, die vor allem den Caesarmördern und ihren Sympathisanten galten, doch wurde hier auch so manche persönliche Feindschaft zu einem blutigen Abschluss gebracht, und in vielen Fällen war es die rein finanzielle Spekulation auf den Besitz des Geächteten, die hinter dem Todesurteil stand.

 

Es muss aber betont werden, dass es sich um pragmatische Notstandsmaßnahmen handelte und nicht um die ideologisch motivierte systematische Liquidierung Andersdenkender oder wie auch immer definierter Minderheiten in der Art moderner totalitärer Systeme. Der Umstand, dass die Entscheidungen von den Triumvirn gemeinsam getroffen wurden, machte das Verfahren freilich besonders mörderisch, da die gegenseitige Rücksichtnahme auf die persönlichen Interessen der Partner Schonung und Gnade geradezu ausschloss.

 

Das Motto schien vielmehr zu sein: Du eliminierst meinen Schützling, dafür darf ich deinen umbringen. Auch war auszuschließen, dass einer der drei sich durch Milde auf Kosten seiner Kollegen populär zu machen suchte. Etwa 300 Senatoren und 2000 Ritter fielen den Proskriptionen der Triumvirn zum Opfer, ein erneuter furchtbarer Aderlass, der wesentlich zum Niedergang der alten Adelsfamilien beitrug, der traditionell staatstragenden Schicht der Republik.

 

Viele flohen in den Osten zu den Armeen der Caesarmörder oder nach Sizilien zu Sextus Pompeius, einem Sohn des «grossen» Pompeius. Letzterer bewirkte 39 v. Chr. im Vertrag von Misenum, dass die überlebenden Proskribierten amnestiert wurden und nach Italien zurückkehren konnten. Zu ihnen gehörte Tiberius Claudius Nero, der Vater des späteren Kaisers Tiberius.


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